Vorgehensweise bei Amputation eines Fingers oder der Hand
Traumatische Amputation ist ein absoluter Notfall. Eine schnelle und angepasste Versorgung in einem spezialisierten SOS HAND Zentrum kann in einigen Fällen die Reimplantation des amputierten Segments und eine bessere funktionelle Erholung ermöglichen.
⚠️ Jede Minute zählt: Die unmittelbar nach dem Unfall durchgeführten Maßnahmen sind entscheidend für die Prognose
Es handelt sich um die vollständige oder teilweise Durchtrennung eines Fingers, mehrerer Finger oder eines größeren Handsegments infolge eines Traumas. Die Mechanismen sind vielfältig: glatte Durchtrennung durch einen scharfen Gegenstand, Quetschung, Abriss oder sogar Avulsion durch einen am Finger getragenen Ring.
Dieser oft spektakuläre und beeindruckende Unfall ist ein absoluter Notfall. Eine schnelle und angepasste Versorgung in einem spezialisierten SOS HAND Zentrum kann in einigen Fällen die Reimplantation des amputierten Segments und eine bessere funktionelle Erholung ermöglichen.
Einfache Maßnahmen, die am Unfallort durchgeführt werden, können die Prognose erheblich verbessern.
Den Verletzten beruhigen und ruhig halten.
Ringe und Schmuck sofort entfernen von der verletzten Hand (die schnelle Schwellung wird diese Entfernung später unmöglich machen).
Kompressionsverband anlegen am Amputationsstumpf zur Blutstillung.
KEINE ABBINDUNG: Ein Kompressionsverband ist in der Regel ausreichend. Eine Abbindung ist unnötig und die Ligatur der arteriellen Achsen ist schädlich.
Nüchtern bleiben: Nicht essen, nicht trinken, nicht rauchen, in Erwartung einer möglichen chirurgischen Intervention.
Das amputierte Fragment bergen (Finger, Fingerspitze, Handsegment).
Es kurz mit klarem Wasser abspülen, um grobe Verschmutzungen zu entfernen.
Es in ein sauberes Tuch oder eine Kompresse einwickeln.
Das Ganze in einen sauberen, dichten Plastikbeutel legen (wie Gefrierbeutel), gut verschlossen.
Diesen Beutel auf Eis oder in einen sehr kalten Behälter legen, ohne das Fragment jemals in direkten Kontakt mit Eis zu bringen (direkter Kontakt beschädigt das Gewebe und kann die Reimplantation unmöglich machen).
Kein farbiges Desinfektionsmittel, keine Flüssigkeit und keinen Gefrierschrank verwenden zur Konservierung des Fragments.
Den Verletzten schnell zu einem SOS HAND Zentrum bringen oder den Rettungsdienst rufen, um den schnellstmöglichen Transfer zu organisieren.
In Luxemburg: Direkt zur Notaufnahme des Kirchberg-Krankenhauses (Tel. 2468 5500). SOS HAND Luxemburg gewährleistet eine Versorgung 24/24 und 7/7.
Gut konserviert (trocken und kalt, bei etwa 4°C) kann ein amputiertes Fragment mehrere Stunden lebensfähig bleiben. Es ist dennoch wünschenswert, die Reimplantation vor 4 Stunden „warmer" Ischämie (Raumtemperatur) und 6 Stunden „kalter" Ischämie (korrekt gekühltes Fragment) durchzuführen.
Finger, die kein Muskelgewebe enthalten, tolerieren Verzögerungen besser als größere Segmente. Erfolge wurden nach mehr als 90 Stunden dank optimaler Konservierung berichtet.
Die Reimplantationsentscheidung erfolgt im Einzelfall, abhängig von mehreren Kriterien: Art des Traumas (glatte Durchtrennung, Quetschung, Abriss), Amputationsniveau, Qualität des amputierten Fragments und seiner Konservierung, Versorgungsverzögerung sowie Allgemeinzustand des Patienten (Alter, Rauchen, Komorbiditäten).
Es handelt sich immer um eine lange und minutiöse Intervention (2 bis 6 Stunden oder mehr), meist unter Regionalanästhesie durchgeführt, von einem auf Mikrochirurgie spezialisierten Handchirurgen.
Stabilisierung durch Drähte oder Schrauben.
Naht der Sehnen zur Wiederherstellung der Beweglichkeit.
Naht der Nerven unter dem Mikroskop (Durchmesser von 1 bis 2 mm auf Fingerhöhe), um die Wiederherstellung der Sensibilität zu ermöglichen.
Naht unter dem Mikroskop von mindestens einer Arterie und einer Vene mit extrem feinen Fäden und Nadeln (70 bis 100 Mikron), um die Blutzirkulation wiederherzustellen.
Reparatur der Haut und der Hautanhangsgebilde (Nagel).
Das Überleben des reimplantierten Fingers hängt von der Blutzirkulation in den reparierten kleinen Gefäßen ab. Eine engmaschige Überwachung (manchmal stündlich, auch nachts) ist unerlässlich.
Vollständiger Rauchstopp: Eine einzige Zigarette kann einen arteriellen Spasmus auslösen und das Überleben des Fingers endgültig gefährden.
Den Finger warm halten.
Eine gerinnungshemmende Behandlung (manchmal per elektrischer Spritze) wird verabreicht, um das Blut zu verdünnen und das Thromboserisiko zu begrenzen.
Überwachung der Färbung (rosa = gutes Zeichen), Temperatur und Kapillarpuls des Fingers. Jede Veränderung (weißer, blauer oder kalter Finger) kann eine Gefäßkomplikation anzeigen, die eine dringende Reoperation erfordert.
Die Wiederherstellung eines funktionellen Fingers erfordert mehrere Monate Rehabilitationsanstrengungen:
Nur passive Mobilisierung durch den Physiotherapeuten (die Sehnen sind noch zu fragil).
Progressive aktive Mobilisierung mit schrittweiser Amplitudenerhöhung.
Kehrt in 3 bis 6 Monaten zurück (der Nerv wächst mit etwa 1 mm pro Tag nach).
Wird später mit dem Gebrauch der Hand zurückkehren.
Die Rehabilitation kann auch Lymphdrainage, Entfibrosierungstechniken, dynamische Orthesen und Sensibilitätsrehabilitation umfassen.
Obwohl es sich um eine von spezialisierten Teams durchgeführte Intervention handelt, besteht das Risiko von Komplikationen:
Die Überlebensrate variiert von 90% (glatte Durchtrennung an der Fingerbasis) bis unter 50% (Abriss der Fingerspitze). Sie hängt von der Art des Unfalls, der Qualität der Fragmentkonservierung und der Versorgungsverzögerung ab.
Trotz Nervennähten ist die Wiederherstellung der Sensibilität manchmal schwach oder gar nicht vorhanden.
Ein reimplantierter Finger führt fast immer zu Kälteintoleranz mit stechenden Schmerzen im Winter.
Je proximaler die Läsion, desto größer das Risiko einer Reststeifheit trotz Rehabilitation.
Pseudarthrose (fehlende Knochenkonsolidierung), Heilungsschwierigkeiten, Hämatom, Algodystrophie.
Rauchen, Cannabiskonsum, Diabetes und Alter sind Faktoren, die die Prognose verschlechtern.
Manchmal ist die Reimplantation aus verschiedenen Gründen nicht durchführbar oder sekundär gescheitert. Es ist übrigens manchmal vorzuziehen, einen Finger nicht zu reimplantieren, von dem man weiß, dass er steif und schmerzhaft sein wird, da dies die gesamte Hand beeinträchtigen kann.
In diesen Situationen gibt es alternative Lösungen, um die Funktionalität der Hand wiederherzustellen:
Jede Amputation, auch teilweise, eines Fingers oder eines Handsegments erfordert eine dringende Konsultation in einem SOS HAND Zentrum. Eine schnelle Versorgung ermöglicht eine bessere funktionelle Erholung und geringere Folgeschäden.
Notfall: 112 | Kirchberg-Krankenhaus: 2468 5500